25/09/2024
Eindecken – pro Pferd?
Der Markt für Pferdedecken ist riesig und bietet für (fast) alle Probleme eine (vermeintliche) Lösung. Fliegendecken, Regendecken, Ekzemerdecken, Stalldecken, gefütterte Outdoordecken…für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Dennoch sollte wie immer gut abgewogen werden, ob man sein Pferd allem voran im Winter eindeckt oder nicht. Auf keinen Fall sollte eine Decke der Bequemlichkeit des Reiters dienen und Pferde sauber halten. Der Griff zur Decke jedweder Art sollte in erster Linie dem Wohlbefinden des Pferdes dienen. Persönlich bin ich ein Fan von Decke nach Bedarf – so viel wie nötig, so wenig wie möglich.
Was spricht für eine Pferdedecke? Dein Pferd rennt gestresst von Insekten nur noch umher und zeigt dabei auch noch Aggressionen anderen Herdenmitgliedern gegenüber? Hier macht eine Fliegendecke Sinn.
Dein Pferd weist bestimmte Erkrankungen und/oder eine Überempfindlichkeit im Rücken auf? Dann kann eine Ekzemerdecke oder Reckendecke Sinn machen.
Dein Pferd ist geschoren (je nach Schermuster!), gesundheitlich beeinträchtigt, sehr Rückenempfindlich und/oder kann sich nicht ausreichend Bewegen, um sich warm zu halten? Hier macht eine gefütterte Outdoordecke je nach Temperatur (!) Sinn.
Auch die Energieersparnis für schwerfuttrige und/oder alte Pferde ist ein weiteres Argument sie vor der Kälte zu schützen, selbst wenn sie sich eigentlich warmhalten könnten.
Was spricht potenziell gegen eine Pferdedecke? Dein Pferd hat Insektenstiche, wirkt aber nicht sonderlich gestresst. Dein Pferd ist gesund, du bist aber zu faul zum Putzen. Dir ist kalt, daher braucht dein Pferd sicher auch eine Decke.
Abhilfe im Winter ohne Decke: Kirschkernkissen (gibt es inzwischen für Pferde), diese reflektieren die Körperwärme des Pferdes und sorgen für eine schonende Erwärmung des Pferderückens. Auch ein Solarium kann hier unterstützen. Allerdings sollte man die Pferde nach Benutzung nicht direkt ungeschützt in die Kälte stellen. Eine besonders ausführliche Aufwärmphase ist bei kalten und klammen Witterungen essenziell. Im besten Falle legt man hier erstmal eine ausreichende Strecke am Boden zurück, bevor man in den Sattel steigt. Dadurch wird nicht nur das Pferd, sondern der Reiter gleich mit aufgewärmt. Generell vertragen Pferde trockene Kälte besser als nasskaltes windiges Wetter und man sollte stets Situationsabhängig mit Sinn, Maß und Verstand überlegen was sinnvoll ist.
Die Massage durch das Putzen ist bei eingedeckten Pferden sehr wichtig, da das gegenseitige Fellkraulen und der Effekt beim Wälzen fehlt. Das Putzen regt die Durchblutung an, welche für eine gesunde Haut nötig ist.
Leider beobachtete ich in den letzten Jahren immer wieder Pferdebesitzer, welche die Decke nicht an die Temperaturen/Witterungen angepasst haben. Somit standen Pferde bei sonnigen 15 Grad und mehr mit ihren Decken im Offenstall, weil laut Kalender noch Winter war…das geht in meinen Augen gar nicht! Eine zu warme Decke kann im schlimmsten Falle lebensgefährlich für das Pferd werden, es drohen Überhitzung, Kreislaufprobleme und Koliken, die zum Tod führen können.
Einmal Deckenträger immer Deckenträger? Nein! Das (Winter)Fell hängt nicht nur von der Genetik, sondern auch von der Haltungsform ab. Es passt sich den Anforderungen an, ähnlich wie das bei Hufen auch der Fall ist. Das konnte ich bei meinem PRE gut beobachten. Es ist allerdings wichtig den Pferden genug Zeit zu geben und die Unterstützung mit Decke schrittweise zu reduzieren.
Meine Erfahrungen: Wegen besonderer Empfindlichkeit im Rücken habe ich Gino die letzten Jahre eingedeckt. Hierbei gab es erst dann eine Decke, wenn die Temperaturen dauerhaft unter 0 Grad vielen oder es Zwischenrein mehr als 2 Tage am Stück regnete. Wann immer die Temperaturen nach oben kletterten, kam die Decke runter und Haut/Fell bekamen Zeit sich zu erholen. Im letzten Jahr verzichtete ich weitgehend auf eine Decke und beobachtete Ginos Rücken. Zwar wurde er nicht geritten, sollte aber unabhängig davon nicht mit verspannten Rücken leiden müssen. Ich griff nur in einer Schlechtwetterperiode mit viel Schnee für ein paar Tage zur Decke und er kam ansonsten super auch ohne zurecht. Wohlbemerkt als gebürtiger Spanier im kalten Bayern.
Dein Pferd braucht eine Decke, auf was solltest du achten?
Die Passform: Die Decke sollte weder reiben noch die Bewegungen des Pferdes einschränken. Wie Regenfest ist die Decke und wie lange hält sie dicht?
Wann muss die Decke (wieder) imprägniert werden?
Wie dick sollte die Decke sein? Bei Minusgraden auf jeden Fall mindestens 50g, da ein Pferd mit Decke sein Fell nicht mehr aufstellen kann und man diesen fehlenden Effekt kompensieren muss. Jeden Tag muss ein Blick auf das Thermometer geworfen werden und die Decke ggf. tagsüber/nachts entsprechend angepasst werden.