08/06/2022
Heute : Vom
Mehr Sehen und mehr Wissen!
Je mehr man weiß, desto besser und fairer kann die Prognose und der Erfolg einer Therapie abgeschätzt werden!
Immer wieder begegnet uns die Aussage, wir (Claus und Klaus) würden nur "unsere tolle Diagnostik" gelten lassen. Röntgen ginge doch auch. Deswegen würde unser konsequenter Hinweis auf hochwertige und hochauflösende Diagnostik aufdringlich sein.
Eines vorweg:
Uns ist völlig klar, daß diese hochauflösende Diagnostik nicht flächendeckend vorhanden ist und auch nicht für jeden Tierbesitzer erschwinglich.
Daher sind wir beide auch der Meinung, dass eine andere Form der Bildgebung, also mindestens die Röntgenbilder nach Böhmer beim Heimtier zwingende Grundvoraussetzung für eine Behandlung ist.
Trotzdem gibt es hier ein kleines Beispiel, warum wir so penetrant hinsichtlich unserer Möglichkeiten der Bildgebung sind:
Dieses Meerschweinchen wurde wegen einem Atemgeräusch während des Fressens zur Abklärung vorgestellt.
Bei der klinischen Untersuchung fiel nur eine kleine, aber schmerzhafte Verdickung am letzten Backenzahn rechts auf. Meerschweinchen haben an dieser Stelle gerne sog. Makrodonten.
Ein Makrodont im Unterkiefer erklärt aber das Atemwegsproblem, weswegen die Besitzer eigentlich kamen, nicht.
Beim Abhören ergaben sich keinerlei Hinweise auf eine Stenose oder ein Atemgeräusch - weder über der Nase, noch über der Luftröhre, noch über der Lunge.
Die Besitzer stimmten der Untersuchung mittels HDCT zu.
Das sind die Bilder:
1) Es gibt einen Makrodont rechts - hatten wir ja vermutet.
2) Einen Polypen/Knoten/Masse im gemeinsamen Nasengang der den Atemweg säbelscheidenartig von ca. 4mm an dieser Stelle auf nur noch 1mm Lumen einengt.
3) Eine Otitis media beidseitig.
Die Prognose dieses Patienten hat sich verändert, dadurch, dass man mehr gesehen hat und damit auch mehr weiß.
Der Besitzer ist nun in der Lage zu entscheiden, ob er eine Behandlung des Makrodonten möchte oder nicht, denn er weiß, dass noch weitere - nicht lösbare Probleme vorliegen.
Nur so kann er sich fair überlegen, welche Therapieoptionen er wählen möchte.
Ein wenig gleichen die anfangs genannten Aussagen denen, die man hörte, als zunehmend postuliert wurde, dass Röntgen der Zähne Pflicht ist:
Bei Heimtieren müsse man die Zähne nicht röntgen, denn das würde nicht bundesweit zur Verfügung stehen und in anderen Bereichen Deutschlands würden doch auch ohne Bildgebung Zahnbehandlungen zufriedenstellend durchgeführt werden. Der Preis würde unnötig steigen und nicht alle könnten sich das Röntgen leisten etc..
Inzwischen herrscht einhelliger Konsens, dass eine Zahnbehandlung beim Heimtier ohne Bildgebung, das heisst in erster Linie Röntgen !!!
obsolet ist.
( Dass das trotzdem leider vereinzelt immer noch anders gehandhabt wird, macht solche Behandlungen auch nicht besser)
Wenn nun Claus Meyer und ich so konsquent - für manche bis hin zu nervtötend - Wert auf die bestmögliche Diagnostik legen, liegt das daran, dass wir komplizierte und teuere Eingriffe durchführen, deren Erfolg wir so gut es geht auch sicherstellen wollen.
Wir wollen eine faire Prognose für die Tiere VOR der OP geben können und wir hassen ein
Upps - das habe ich nicht gesehn!
Gleichzeitig empfinden wir es engagierten Besitzern gegenüber als unfair, NICHT diese Diagnostik zu empfehlen, weiter zu verfeinern und daraus individuelle Therapieoptionen zu entwickeln, wie z. B. minimalinvasive oder sehr gezielte Eingriffe.
Und genau dafür fahren viele Besitzer weite Strecken - auch für die Heimtiere ;)
Herzliche Grüße
K. Sommer