30/11/2025
Mal ein paar Gedanken zur Beeinflussung des Mikrobioms im Darm:
Das angehängte Video startet bei einer ungewöhnlichen Visualisierung des Wegs der Nahrung von der Zunge bis zum Ausgang. Hier wird ein Menschenmodell besprochen - beim Hund isses aber anatomisch seeehr ähnlich.
Da kann man schön sehen, wie kurz die Wege durch Speiseröhre & Magen sind und wie dicht Leber, BSD, Galle & Nieren da dran sind, um die Zersetzung der Nahrung im Magen zu starten.
Danach startet der Weg des Speisebreis durch einen unfassbar langen Dünndarm, wo die verdauenden Mikroben sitzen. Myriaden lebende Mikroben, bestehend aus unterschiedlichsten Familien mit unterschiedlichsten Spezialisierungen.
Wenn die Mikroben was für den Gastgeber Nützliches wie Aminosäuren, Mineralien, Spurenelelemente, Vitamine und Fettsäuren sowie Stärke und Zucker im Brei finden, leiten sie das durch die Darmwand in den Blutstrom zur Verwertung durch den Gastgeber weiter. Sie zahlen damit sozusagen die Miete.
Beim Menschen wohnen und leben da im Dünndarm 2kg (in Worten: zwei Kilogramm!) Mikroben drin. Sie essen, was gerade vorbeikommt, ka**en da rein, haben S*x, bekommen Kinder, bekriegen sich gegenseitig und wenn sie sterben, schwimmen sie leblos weiter bis zum Ausgang.
Das ist ein Kosmos. Nur lebt der nicht wie die Menschheit außen auf der kugelförmigen Erde sondern eher innerhalb eines langen ringförmigen Gartenschlauchs.
Hund hat da entsprechend dem Idealgewicht weniger als der 70kg-Mensch drin. Aber die Verhältnisse dürften ziemlich gleich sein.
Am Ende des Darms liegt der doch recht kurze Dickdarm als Biotonne, wo am Ende der Passage nur noch das Wasser aus dem Speisebrei nebst Mikroben-Kloake rausgesaugt und der verbleibende Kompost in ein handliches Format gepresst wird, damit es toilettenkonform für die Entsorgung wird. Das entzogene Wasser wird dann wieder dem Gastgeber zur Verfügung gestellt und Wasser-Überschuss wird zum anderen Ausgang geleitet zusammen mit anderen harnpflichtigen Substanzen, die auch ohne Mikrobenhilfe aussortiert werden, so lange die Nieren funktionieren.
Und bei dieser Anatomie glaubt noch irgendwer, dass eine Kotprobe zur Bestimmung und vor allem Bewertung der Population im Dünndarm irgendwas Aussagefähiges beiträgt? Da kann gerade ein invasiver und störender Stamm hinausgekloppt worden sein. Der war in der Minderheit - sonst wäre er nicht rausgekloppt worden sondern hätte andere vertrieben - und nun ist das Mikrobiom im Stuhl diagnostisch toxisch, während "in echt" gerade wieder ein Gleichgewicht hergestellt wurde. Zum Glück werden diese Kotuntersuchungen nun nicht mehr reflexartig bei harmlosem Durchfall empfohlen.
Oder man glaubt, dass der Dünndarm fehlbesiedelt ist, weil die Wasserpumpe im Dickdarm nicht funktioniert und wirft massenhaft als "gut" befundete Bakterien ein, um die vermutlich (!) "unguten" Bakterien zu vertreiben. Das löst erst mal nur Krieg im Darm aus - wie der ausgeht, steht in den Sternen.
Oder noch besser: Man schiebt mit einer Kot-Transplantation vermeintlich "gesunden" Stuhl in die Kloake ein, um den "ungesunden" zu vertreiben - aber so kommt der nicht in den Dünndarm, wo er wirken soll.
Letzte Lösung: Man nimmt den Stuhl von einem "gesunden" Mikrobenwirt, macht ihn unlöslich für den Magen aber löslich für den Darm, wirft ihn vorne rein und hofft, dass sich die Mikroben aus der K***e von jemand anders im Dünndarm ansiedeln und die eigenen vertreibt.
Das alles ist für mich völlig unlogisch. Auch nach Jahren des Hypes und intensiver Forschung.
Der für mich persönlich vielversprechendste "Holy S**t" im Kontext Darmgesundheit ist das Faserzeug aus Pflanzen:
* ß-Glucane, Inulin, Pektin etc. füttern die Mikroben, die eher für Frieden als Krieg im Darm sorgen (sollen). Die finden sich reichlich in Hafer, Gerste und Wurzelgemüse.
* unlösliche Fasern, aus denen ALLE pflanzlichen Zellwände bestehen, sorgen dafür, dass der Speisebrei überhaupt durch den unendlich langen Dünndarm bis zum Ausgang transportiert wird.
Lustigerweise ist das deckungsgleich mit der Humanernährung. Könnte daran liegen, dass Hund & Mensch seit Jahrtausenden das Futter teilen...
Wer jetzt noch meint, Getreide und Gemüse seien für den vermeintlich carnivoren Hund und omnivoren Menschen entbehrliche Beilagen, möge bitte irgendwelchen anderen Seiten folgen - nur nicht meiner.
Wer jetzt noch nicht ausgestiegen ist, könnte vielleicht noch zur Kenntnis nehmen, dass Zuckerrüben Wurzelgemüse sind. Diese sind tatsächlich zur Zuckerproduktion zuckerreich gezüchtet - aber wenn man den Rüben den Zucker entzieht (wofür sie ja gezüchtet wurden), kann man den faserigen und Inulin-reichen Rest guten Gewissens selber statt Möhren essen oder an den Hund verfüttern. Alle Zuckerrüben-Bauern verkaufen ihre Frucht an Zuckerproduzenten und nicht an Futterhersteller. Aber die Zuckerproduzenten geben ihre Reste an Futterhersteller weiter. Die für Hund & Mensch wertvollen faserigen Reste! Nicht den Zucker! Wann auch immer man in Hundefutter "Zuckerrübenschnitzel" findet, dann sind die IMMER entzuckert, auch wenn es nicht explizit draufsteht.
Genauso sind FOS und MOS lösliche Faserstoffe und eben kein Würfelzucker, ebenso ist "Yucca Schidigera" ein Wurzelgemüse. All diese Quellen von hochwirksamen Faserstoffen sind neben Karotten perfekt geeignet, um die guten Anteile der Darmflora zu füttern. Echt jetzt.
Professor Brian Cox and our expert panel dive into the complex world of diet, nutrition and food choices.With new probiotic and high-protein products appeari...