15/03/2023
Sehr interessant. Ich habe nie rote Beete gefüttert aber nur weil ich sie selbst nicht mag 😁
Kritik - Rote Beete für Pferde
Für manche ist es in den „kalten Monaten“ schon fast Tradition. Die Fütterung von Roter Beete. Dabei erhofft man sich den Vorteil, der in Ernährungstabellen reichlich enthaltener Nährstoffe.
Ob Mineralstoffen, Spurenelementen oder Vitamine - die errechnete Nährstofftabelle sieht so rein theoretisch mal schön aus. Neben weiteren wichtigen sekundären Pflanzenstoffen, ist auch reichlich Folsäure und Zink enthalten.
ABER: Auf der anderen Seite der Medaille, steht bei der Roten Beete, ein hoher Gehalt an Oxalsäure und Nitrat, verschiedene insulinrelevante Zuckertypen und die für Wurzelgemüse so typische Schwermetallbelastung.
Schauen wir uns das genauer an:
🫧Oxalsäure & Nitrat🫧
Beides sind starke Nährstoffantagonisten.
Die Oxalsäure wird als sogenannte „antinutritive Substanz“ bezeichnet, da sie die Aufnahme vieler wichtiger Mineralstoffe im Körper behindert.
Wenn Mineralstoffe dem Körper gleichzeitig mit Oxalsäure zugeführt werden, sind sie für den Organismus nur noch zu einem sehr geringen Teil verfügbar. Die Oxalsäure bindet diese Nährstoffe, welche daraufhin nicht mehr von der Darmschleimhaut aufgenommen werden können.
Bei einer regelmäßig Zufuhr von Oxalsäure kann es deshalb zu einem Nährstoffmangel kommen. Des Weiteren begünstigt die Säure die Bildung von Nieren- und Blasensteinen: Aus körpereigenem Kalzium und Oxalsäure bilden sich Kristalle, die sich im Harntrakt ablagern und zu schmerzhaften Steinen entwickeln können.
Hier zeigt sich schon deutlich: Für Pferde mit Problemen im Bereich der Nieren, Untermineralisierung, Erkrankungen wie Cushing oder auch Stoffwechselproblemen, ist Rote Beete immens ungünstig.
🍭Zucker🍭
Die rote Knolle enthält neben Fructose (Fruchtzucker) und Glucose (Traubenzucker) auch das leichtverdauliche Zuckerkohlenhydrat (Disaccharid) Saccharose. 8,5 Gramm je 100 Gramm davon werden also insulinabhängig verstoffwechselt. An Pferden mit entsprechender Insulinproblematik sollte daher nur recht wenig bis gar keine Rote Beete verfüttert werden.
🪨Schwermetalle🪨
Rote Bete bindet wie andere Wurzelgemüse auch, Schwermetalle (wie Blei, Kadmium, Quecksilber). Diese werden aus den Böden, auf denen sie wachsen, aufgenommen. Auch der Nitrat-Gehalt bestimmt sich dadurch. Würden wir nun reine Bioprodukte von ungedüngten unbelasteten Äckern beziehen, wäre die Wahrscheinlichkeit einer „belasteten“ roten Beete recht gering. Die Wahrheit sieht allein durch Düngung und Ertragsicherung, leider meist anders aus. Nun nehmen wir diese „Bodenreiniger“ und führen sie dem Futterplan unserer Pferde zu.
🧪Nährstoff - Resultat🧪
Die hohen Nährstoffgehalte in den Tabellen zur Roten Beete, täuschen also recht stark, da Rote Bete durch den Anteil an Oxalsäure und Nitrat, gleichzeitig ein Nährstoffräuber ist.
Daher bleibt fraglich, welche Nährstoffe letztendlich im Pferd ankommen, insbesondere wenn rote Bete mit Mineralfutter kombiniert wird. Nährwerttabellen sind immer nett zu lesen, aber man darf nicht vergessen dass Nährstoffe oft auch Gegenspieler haben, die man unbewusst mitfüttert.
Bei der roten Beete geht das so weit, dass man sich fragen muss, ob die Vorteile der Nährstoffe, die Nachteile der Fütterung überhaupt aufwiegen.
Als Beispiel: Um den Tagesbedarf eines durchschnittlichen Warmbluts (600kg) an Zink zu decken, bräuchte es täglich theoretisch 10 kg der roten Beete – wobei davon auszugehen ist, dass der hohe Oxalsäuregehalt die Zinkaufnahme unterdrückt und die Nitrate die Pferdenieren stark belasten können.
Kann man sich mal durch den Kopf gehen lassen. Ob getrocknet in hübschen Schnipseln oder roh. Ich persönlich füttere meinen Pferden keine Rote Beete, so sehr ich natürliche Substitution von Nährstoffen schätze. Da gibt es deutlich bessere Optionen. Selbst Mohrrüben können z.B. beim Eisen der Roten Bete die Stirn bieten.
Denkt darüber nach, was in eure Pferde wandert und lasst euch nicht von Nährstoffen blenden.
Bleibt gesund ❤️
Eure EquineEwen