01/02/2026
𝔸𝕞é𝕝𝕚𝕖 𝕤𝕦𝕔𝕙𝕥 𝕚𝕙𝕣𝕖𝕟 𝕄𝕖𝕟𝕤𝕔𝕙𝕖𝕟 - einen Menschen, der weiss oder vielleicht sogar auch selbst erlebt hat, dass man manchmal im Leben nicht die besten Karten erhält, dass man ohne eigene Schuld an den Abgrund kommen kann. Einen Menschen, der sich trotzdem traut, es nochmals zu wagen, der an zweite Chancen und junges Glück in jedem Alter glaubt.
Amélies Vorgeschichte ist lange und hat einige dunkle Kapitel. Sie wurde als Welpe einem (wirklich sehr sehr) alten Ehepaar geschenkt, welches verständlicherweise heillos überfordert war. Amélie (hiess damals noch anders) war nichts anderes als ein ängstlicher Hütehundewelpe, aber dass sie Besucher anbellte, nahm man ihr übel. Eine Besucherin warf einen Stuhl auf sie und verletzte ihr damit den Schädel. Danach reagierte Amélie immer angriffiger bei Besuch, bis kaum mehr jemand ins Haus kommen konnte. Danach hat Amélie mehrere Jahre an Stationen verbracht, die nicht komplett nachvollziehbar sind und wo sie wahrscheinlich zum Teil auch gänzlich alleine gelebt hat (und wo nur ab und an jemand zum Füttern vorbeikam).
Als Amélie zu uns kam, hätte sie jeden Menschen und jeden Hund gebissen. Ohne Ausnahme.
Dabei ist Amélie einer der einfachsten Hunde, den man sich vorstellen kann. Sie ist immer fröhlich und lustig und ist einfach nur glücklich, mit ihrem Menschen zusammen zu sein. Sie liebt es, zu spielen und zu trainieren, gemeinsam zu spazieren, aber auch einfach auf dem Sofa zu kuscheln oder unter dem Bürotisch zu liegen. Man kann sie bürsten, untersuchen, Krallen schneiden etc. - ohne die geringsten Probleme. Auch im Auto in der Hundeboxe ist sie die perfekte Begleiterin. Sie geht super an der Leine, hat einen perfekten Rückruf, kann problemlos alleine bleiben, zerstört nichts (na ja, vielleicht reisst sie mal einem Plüschtierchen ein Ohr ab😉), sie ist komplett auf Wort „führbar“ und wäre deshalb auch problemlos für eine körperlich beeinträchtigte Person handelbar.
Man muss wohl anerkennen, dass im Zusammenleben mit Amélie oft der Mensch das schwache Glied in der Kette war. Es ist kaum vorstellbar, wie aus einer so einfachen Hündin vorübergehend ein echter Problemhund geworden war.
Amélie hat genau das gelernt, was oftmals zitiert wird: „die Flucht nach vorne“. Sie hatte nicht mehr gewartet, ob jemand für sie eine Gefahr sein könnte, sondern direkt angegriffen. Blindlings. Dabei ist sie gar kein Kämpferherz. Sobald aus ihrer Sicht die Gefahr jeweils „abgewehrt“ war, zitterte sie wie Espenlaub am ganzen Körper und wollte künftig möglichst nie nie nie mehr an dieser Stelle vorbei spazieren, wo sie dieses Erlebnis hatte (wie z.B. ein Jogger, der an ihr vorbeigelaufen war).
Amélie hat ihre Zeit gebraucht, um diese Schutzmechanismen wieder abzulegen, die aus ihrer Sicht in unserer Welt so sehr nötig gewesen waren. Sie hatte lange gelernt, sich alleine durchzuschlagen. Zu lange.
Zur Sicherheit trägt sie deshalb einen Maulkorb. Das tut sie mit einer Selbstverständlichkeit, wie ein Brillenträger seine Brille trägt. Amélie braucht Menschen, die wie sie kein Problem damit haben und finden, dass es sinnvoll für alle ist, wenn Amélie ihre „Brille“ aufgesetzt hat. In der Tat würde Amélie jedoch aus allen Wolken fallen, wenn sie wüsste, dass sie einen Maulkorb trägt, weil andere Lebewesen vor IHR geschützt werden sollen. Denn für sie ist klar, dass SIE angegriffen wurde und Gefahren ausgesetzt ist (das stimmt ja auch irgendwie, Amélie - das Leben ist aber komplex😉).
Heutzutage ist sie sehr leicht handelbar, mit nur etwas Hilfe bewegt sie sich wieder komplett unauffällig - im Park, im Dorf, in der Stadt. Sie hat wiederentdeckt, Konfrontationen aus dem Weg zu gehen und würde sie selber nicht mehr suchen, sondern liebt es, einfach friedlich zusammen mit ihrem Menschen ihrer Wege zu gehen. Wenn jemand jedoch auf einer Konfrontation besteht😉, kann es sein, dass sie auf ihre alten Strategien zurückgreift.
Idealerweise wird Amélie als Einzelhund platziert, es wäre aber vorstellbar, dass ein Zusammenleben mit einem ruhigen Zweithund klappen könnte.
Amélie ist entzückend und wunderbar - aber sie braucht einen Menschen, der versteht, dass ein Tier kein Spielzeug ist, dass man die Bedürfnisse des Tieres berücksichtigen muss und dass wir alle manchmal etwas Hilfe im Leben benötigen.
Amélie wird über die Organisation BorderLineCollie platziert.