23/11/2025
👉❗ «Wenn dein Hund nicht ziehen soll …»
🐕🤓 «Wenn dein Hund an der Leine nicht ziehen soll, musst du ihn am Halsband führen. Am Brustgeschirr darf er ziehen.»
Diese Anweisung wird sehr häufig mitgegeben. Allein schon das «Nicht-Ziehen» impliziert, dass der Hund UND der Mensch keinen Plan mitbekommen haben. Was soll denn der Hund stattdessen tun? Fliegen? Die Anweisung wird gerne begleitet von der Bemerkung: «Wenn der Hund realisiert, dass er sich beinahe erhängt, wird er langsamer gehen.» Würde das so funktionieren, also die Selbstkorrektur des Hundes, würde da draussen kein einziger Hund mehr hecheln und röchelnd in der Leine hängen. Selbst ein derart augenscheinlicher Tatbestand ändert nichts an dieser Handhabung, die Leine an ein Halsband zu hängen. Egal, ob der Hund Schmerzen am Hals bekommt und der Mensch eine Schleimbeutelentzündung im Ellbogen.
👉 Wie lockere Leine gehen kann
Wenn du möchtest, dass dein Hund an einer lockeren Leine neben dir hergeht, musst du dich einbringen. Aber nicht durch Muskelkraft, Hund blocken oder verbal massregeln. Auch nicht durch dieses ständige Zurückziehen des Hundes in die erwünschte Position, die er sowieso nach gefühlt fünf Schritten wieder verlässt, um erneut vorne in der Leine zu hängen.
Sondern indem du deinen Hund lobst und das Verhalten «gehen neben dir» verstärkst. Der Hund soll sich gerne neben dir aufhalten, weil es sich gut anfühlt. Das beginnst du am besten so früh wie möglich und nicht erst, wenn dein Hund im Flegelalter angekommen ist und die Umwelt sehr viel attraktiver geworden ist.
🐕⛓🤨Die unbeabsichtigte Verhaltenskette
Sehr kontraproduktiv ist es, den Hund nach vorne ans Leinenende gehen zu lassen, ihn dann zurückholen und ihn dafür belohnen. Auf diese Art geht der Hund immer öfters nach vorne, damit du ihn wieder fürs Zurückkommen belohnen kannst. Die Verhaltenskette ist perfekt!
❓Halsband vs. Brustgeschirr - der springende Punkt
Die eingangs erwähnte Unterscheidung in Halsband und Brustgeschirr ist primär für den Menschen. Wäre der Mensch aufmerksamer mit und bei seinem Hund, würde dieser auch am Brustgeschirr nicht ziehen. Das Ziehen ist ein erlerntes Verhalten. Weil der Mensch den Hund an eine Leine hängt und sich nicht weiter einbringt, als die Leine in der Hand zu halten und sich vom Hund durch die Gegend ziehen lässt. Weil er es verpasst, dann zu verstärken, wenn der Hund entspannt neben ihm geht und die Leine locker ist.
🫢 Das Resultat
Wenn der Hund Spaziergang um Spaziergang gelernt hat, dass Ziehen mit Weggewinn verbunden ist, weshalb soll das am Halsband anders sein?
❓ Sinnvoller Einsatz des Halsbands
Die Leine am Halsband festzumachen, ist dann sinnvoll, wenn es dem Menschen hilft, für eine zu Beginn kurze Strecke ganz konzentriert bei seinem Hund zu sein und zu Beginn häufig zu belohnen. An dieser Stelle immer diese Frage: «Muss ich das ein Leben lang tun? Ich will nicht ständig Futter dabeihaben.» Die Menschen sind oft viel eher bereit, den Hund körperlich und über die Leine zu massregeln, als ein Verhalten über positive Verstärkung aufzubauen. Sie gehen monatelang mit einem ziehenden Hund durch die Gegend und wollen, dass sich dieses sehr selbstbelohnende Verhalten in zwei Tagen in Luft auflöst.
😃🤲Der Wege zur lockeren Leine liegt in deinen Händen
Leinenführigkeit ist kein Zaubertrick und hängt nicht vom Material ab. Wenn wir Menschen endlich aufhören würden, die Lösung am falschen Ende der Leine zu suchen, hätten wir viel früher Hunde, die entspannt neben uns laufen. Der Anfang liegt – Überraschung – nicht am Halsband, sondern bei uns.
🙏 In diesem Sinne:
"Leinenführigkeite beginnt nicht am Hund, sondern bei dir."